Über das Kolosseum

Das Kolosseum ist das größte je gebaute Amphitheater der antiken Welt und das berühmteste Bauwerk Roms. Es wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. unter den flavischen Kaisern errichtet, bot bis zu 80.000 Zuschauern Platz und ist heute eines der meistbesuchten Monumente der Welt.

Außenansicht des Kolosseums in Rom mit charakteristischen Arkaden Das Kolosseum in Rom — Foto: Claudio Luiz Castro / Unsplash

Das Kolosseum auf einen Blick

Bauzeit

72 – 80 n. Chr.

Erbauer

Flavische Dynastie

Länge

189 Meter

Breite

156 Meter

Höhe

48 Meter

Kapazität

50.000 – 80.000 Zuschauer

Arkaden

80 auf drei Ebenen

UNESCO-Welterbe

seit 1980

Geschichte: Wie das Kolosseum entstand

Der Bau des Kolosseums begann im Jahr 72 n. Chr. unter Kaiser Vespasian, dem Begründer der flavischen Dynastie. Das Grundstück hatte zuvor zum berüchtigten Domus Aurea gehört — dem riesigen Palast Kaiser Neros, der nach dessen Tod als Symbol für Verschwendung galt. Vespasian ließ den künstlichen See aus dem Inneren des Palastareals trockenlegen und an dieser Stelle das Amphitheater errichten. Es war ein bewusst gewähltes politisches Zeichen: Wo zuvor ein Kaiser für sich selbst gebaut hatte, entstand nun ein Bauwerk für das römische Volk.

Finanziert wurde der Bau aus der Kriegsbeute des Jüdischen Krieges, den Vespasians Sohn Titus mit der Eroberung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. beendet hatte. Tausende jüdische Kriegsgefangene wurden als Arbeitskräfte beim Bau eingesetzt.

Die antiken Bögen der Kolosseum-Fassade in Detailansicht Die berühmte Bogenarchitektur — Foto: Nelson Rodz / Unsplash

Drei Kaiser, ein Bauwerk

Vespasian erlebte die Vollendung nicht mehr. Als er 79 n. Chr. starb, waren drei der vier Geschosse fertig. Sein Sohn Titus beendete den Bau und weihte das Amphitheater im Jahr 80 n. Chr. mit einhundert Tagen Spielen ein. Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtet, dass dabei über 9.000 wilde Tiere getötet wurden.

Titus‘ jüngerer Bruder und Nachfolger Domitian ergänzte das Bauwerk wenige Jahre später um das Hypogäum — das unterirdische Tunnelsystem unter der Arena, in dem Tiere und Gladiatoren untergebracht waren und über Aufzüge in die Arena gebracht werden konnten. Außerdem fügte Domitian eine vierte oberste Etage hinzu.

Der ursprüngliche Name

Das Bauwerk hieß ursprünglich Amphitheatrum Flavium, das Flavische Amphitheater. Der Name „Kolosseum“, unter dem es heute weltweit bekannt ist, etablierte sich erst im Mittelalter. Er geht vermutlich auf den Colossus Neronis zurück — eine rund 30 Meter hohe Bronzestatue Neros, die einst neben dem Amphitheater stand.

Architektur: Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst

Mit einer Länge von 189 Metern, einer Breite von 156 Metern und einer Höhe von 48 Metern war das Kolosseum das größte Amphitheater des Römischen Reichs. Die elliptische Grundfläche umfasst rund 24.000 Quadratmeter — etwa drei Fußballfelder.

Drei Säulenordnungen, eine Architektur-Lektion

Die Außenfassade besteht aus drei Geschossen mit jeweils 80 Arkaden, die von Halbsäulen unterschiedlicher antiker Ordnungen flankiert werden. Diese gestaffelte Säulenanordnung war im antiken Bauwesen sorgfältig kalkuliert und folgte einer klaren Hierarchie:

  • Im Erdgeschoss die strenge, schmucklose toskanische Ordnung
  • Im ersten Obergeschoss die schlankere ionische Ordnung mit Voluten-Kapitellen
  • Im zweiten Obergeschoss die reichgeschmückte korinthische Ordnung mit Akanthusblättern

Das oberste, vierte Geschoss aus der Zeit Domitians ist eine geschlossene Mauer mit korinthischen Pilastern und kleinen, rechteckigen Fenstern.

Detailaufnahme der Säulenordnungen und Bögen des Kolosseums Die kunstvolle Schichtung der Säulenordnungen — Foto: Jonathan Singer / Unsplash

Achtzig Eingänge für siebzigtausend Menschen

Von den 80 Arkaden im Erdgeschoss waren 76 mit römischen Ziffern nummeriert und dienten den Zuschauern als Eingänge. Die übrigen vier waren den Kaisern, Senatoren und Akteuren vorbehalten. Über ein ausgeklügeltes Treppen- und Galeriesystem konnte die gesamte Zuschauerzahl in etwa 15 Minuten ein- und ausgelassen werden. Die Römer nannten diese Durchgänge Vomitoria. Moderne Stadien arbeiten bis heute nach demselben Prinzip.

Das Sonnensegel: Velarium

Über die Sitzränge spannte sich ein riesiges Sonnensegel, das Velarium. Es schützte die Zuschauer vor Sonne und Regen. Die komplexe Mechanik aus Seilen, Masten und Stoffbahnen wurde von Matrosen der römischen Kriegsflotte aus Misenum bedient — sie waren die Einzigen mit der Erfahrung im Umgang mit so großen Segeln und Tauwerk. Die Verankerungslöcher der Masten sind an der obersten Mauerkante noch heute zu sehen.

Baumaterialien

Das Kolosseum besteht überwiegend aus drei Materialien: Travertin-Kalkstein für die tragende Außenstruktur, Tuff-Vulkanstein für innere Wände und römischer Beton, oft mit Ziegeln verkleidet. Allein für den Travertin wurden über 100.000 Kubikmeter Stein aus Steinbrüchen bei Tivoli, rund 25 Kilometer östlich von Rom, herangeschafft.

Spiele und Spektakel im antiken Rom

Das Kolosseum war fast 400 Jahre lang Schauplatz öffentlicher Spiele. Die Munera, wie diese Veranstaltungen hießen, dienten dem Volk als Unterhaltung, der Aristokratie als Bühne politischer Selbstdarstellung — und dem Kaiser als Instrument der Volksgunst. Der römische Dichter Juvenal prägte dafür den bis heute geläufigen Ausdruck „panem et circenses“, also „Brot und Spiele“.

Blick ins Innere der Kolosseum-Arena mit freigelegtem Untergrund Blick in die Arena mit dem freigelegten Hypogäum — Foto: Tommao Wang / Unsplash

Gladiatorenkämpfe

Die berühmtesten Aufführungen waren die Kämpfe der Gladiatoren. Es gab verschiedene Klassen von Kämpfern, jeweils mit eigener Bewaffnung und Kampftechnik. Der schwer gepanzerte Murmillo trat etwa gegen den mit Netz und Dreizack ausgerüsteten Retiarius an. Die Kämpfe folgten festen Regeln, hatten Schiedsrichter und endeten nicht zwangsläufig tödlich. Erfolgreiche Gladiatoren konnten in der römischen Gesellschaft zu Stars werden.

Tierhetzen

Bei den Venationes wurden exotische Tiere aus dem ganzen Reich nach Rom gebracht und in der Arena vorgeführt oder von speziellen Jägern getötet. Löwen aus Nordafrika, Elefanten aus Indien, Giraffen, Bären, Nashörner und Krokodile traten gegen Menschen oder gegeneinander an. Die Tierhetzen fanden vormittags statt, die Gladiatorenkämpfe nachmittags.

Naumachien: Seeschlachten in der Arena

In den ersten Jahren nach der Eröffnung soll die Arena tatsächlich für nachgestellte Seeschlachten geflutet worden sein — sogenannte Naumachiae. Der römische Dichter Martial beschreibt solche Aufführungen in seinem Werk über die Eröffnungsspiele. Mit dem Bau des Hypogäums unter Domitian wurde das Fluten der Arena jedoch praktisch unmöglich, und die Naumachien verlagerten sich an andere Orte.

Hinrichtungen und religiöse Aufführungen

Mittags — zwischen Tierhetzen und Gladiatorenkämpfen — wurden Verurteilte hingerichtet, oft im Rahmen mythologischer Inszenierungen. Die Vorstellung, dass im Kolosseum gezielt Christen den Märtyrertod fanden, ist allerdings historisch nicht zweifelsfrei belegt — spätere christliche Tradition hat dieses Bild stark geprägt.

Niedergang und Wiederentdeckung

Mit dem Niedergang des Weströmischen Reichs verlor das Kolosseum seine ursprüngliche Funktion. Im Jahr 438 n. Chr. wurden die Gladiatorenkämpfe verboten, die Tierhetzen folgten kurz darauf. Bereits im 6. Jahrhundert war das Bauwerk weitgehend ungenutzt.

Das Kolosseum in stimmungsvollem Licht — Zeichen seines bleibenden Charakters Stimmungsvolles Licht über dem antiken Bau — Foto: The Quiet Atlas / Unsplash

Festung, Werkstatt, Wohnraum

Im Mittelalter wurde das Kolosseum für völlig andere Zwecke umgenutzt: als Wohnhaus, Werkstattgelände, Quartier für religiöse Orden, Festung und sogar als christlicher Wallfahrtsort. Im 12. Jahrhundert baute die einflussreiche römische Adelsfamilie Frangipani das Amphitheater zu einer befestigten Residenz aus.

Erdbeben und Steinraub

Mehrere schwere Erdbeben beschädigten das Bauwerk im Laufe der Jahrhunderte. Das Beben von 1349 war besonders verheerend — es brachte die südliche Außenmauer zum Einsturz. Statt das Bauwerk zu sichern, nutzten Päpste, Adlige und Bauherren die Trümmer als Steinbruch: Travertin und Marmor des Kolosseums wanderten in den Petersdom, den Palazzo Venezia, den Palazzo Barberini und unzählige andere Gebäude des Renaissance-Roms.

Dieser systematische Steinraub setzte sich über mehr als 600 Jahre fort. Erst 1749 erklärte Papst Benedikt XIV. das Kolosseum zur geheiligten Stätte zur Erinnerung an die christlichen Märtyrer — und schuf damit den ersten formellen Schutz gegen die Plünderung.

Erste Restaurierungen

Im 19. Jahrhundert begann die systematische Konservierung. Die Päpste Pius VII. und Pius VIII. ließen die einsturzgefährdeten Bereiche durch markante Strebepfeiler sichern — sie sind heute an den Schmalseiten des Kolosseums gut zu erkennen. Erste archäologische Ausgrabungen legten Teile des Hypogäums frei. In den 1990er Jahren startete eine umfassende Restaurierungskampagne, die seit 2013 mit privaten Mitteln (gestiftet vom italienischen Modeunternehmen Tod’s) fortgesetzt wird.

Das Kolosseum heute

Seit 1980 gehört das Kolosseum zum UNESCO-Welterbe als Teil des Historischen Zentrums von Rom. Mit über 7,5 Millionen Besuchern pro Jahr ist es eines der meistbesuchten Monumente der Welt.

Blick durch einen antiken Bogen auf das Innere der Arena Blick durch einen der historischen Bögen — Foto: Dmytro Bukhantsov / Unsplash

Symbol für Rom und für eine Epoche

Heute steht das Kolosseum nicht nur für die technische Meisterschaft der römischen Ingenieure, sondern auch für die Widersprüchlichkeit der römischen Zivilisation: ein Bauwerk von atemberaubender Eleganz, errichtet als Bühne für brutale Spektakel. Diese Spannung macht es zu einem der ehrlichsten Geschichtszeugnisse der Antike — es zeigt Größe und Gewalt zugleich.

Eines der neuen Weltwunder

Im Jahr 2007 wurde das Kolosseum bei einer weltweiten Online-Abstimmung zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt — gemeinsam mit der Chinesischen Mauer, Machu Picchu, dem Taj Mahal und drei weiteren historischen Stätten.

In Film und Kultur

Das Kolosseum hat unzählige Filme, Romane und Kunstwerke inspiriert — von Ridley Scotts Film „Gladiator“ aus dem Jahr 2000 über zahllose Reiseberichte bis hin zu den Werken William Wordsworths und Charles Dickens. Goethe schrieb in seinen Italienischen Reisen, das Kolosseum sei „besonders bei Mondbeleuchtung ein gar herrlicher Anblick“.

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